Ein perfekter Tag in Grainau: Skitour zur Stuibenhütte über Mauerschartenkopf und Stuibenkopf mit LVS-Training

 // von Polina Peskovsky
Ein perfekter Tag in Grainau: Skitour zur Stuibenhütte über Mauerschartenkopf und Stuibenkopf mit LVS-Training
Montag, 25 Oktober 2021

Die Skitour zur Stuibenhütte ist eine beliebte leichte Skitour im Garmisch-Classic Skigebiet, die für Anfänger, oder auch als Schneeschuhwanderung, perfekt geeignet ist. Eine Tour zur Stuibenhütte ist auch mit einem Tag auf den Pisten im Garmisch-Classic Skigebiet oder mit längeren Skitouren gut kombinierbar.

Die Stuibenhütte (1.640 m)

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Im Winter bietet der Stuiben, ein kleines Felsmassiv unterhalb der Alpspitze, zahlreiche Skitourenmöglichkeiten. Die Stuibenhütte ist als Stützpunkt für Wintertourengeher gedacht und hat deswegen nur in den Wintermonaten offen. Wegen ihrer leichten Erreichbarkeit ist die Route sehr beliebt, besonders an Wochenenden ist hier bei schönem Wetter in der Regel viel los. Auf der Hütte kann man auch übernachten (mit Vorabreservierung).

Der Aufstieg zur Stuibenhütte erfolgt von der Bernadeinabfahrt, so braucht man für diese Skitour einen Garmisch-Classic Skipass (falls Sie den Tag noch auf den Pisten verbringen möchten) oder einen Bernadein-Skipass für Skitourengeher. Dieser letzte inkludiert nur eine Bergfahrt mit der Alpspitzbahn und eine Fahrt mit dem Bernadein-Schlepplift. Das Ticket ist nicht öffentlich gelistet, so muss man danach extra an der Kasse der Alpspitzbahn fragen.

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Um den Ausgangspunkt zu erreichen, fährt man vom Osterfelderkopf mit dem Ski Richtung Hochalm runter, bis man die Bernadeinabfahrt erreicht. Hier fährt man nach rechts ab. Die Route startet ca. 100 m rechts vor der Bernadeinlift Talstation, am Hinweisschild „Stuiben-Bockhütte-Reintal“ am Pistenrand kann man sich gut orientieren. Der Weg ist gut ausgeschildert, aber sehr frequentiert. Von hier aus braucht man ca. 200 hm bis zur Stuibenhütte.

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Auch wenn die Tour sehr leicht zu sein scheint, für die Abfahrt muss man gut auf den Skiern stehen können: Skifahren abseits der Piste ist eine ganz andere Hausnummer, egal ob im Tiefschnee, bei beschränkter Sicht im Nebel, bei einem Schneefall, oder wenn zum Saisonabschluss kaum noch Schnee auf der Strecke liegt. Bei hohem Besucheraufkommen wird die Abfahrt zurück zum Bernadeinlift tagsüber oft schnell kahl und stark vereist.

Warnung: Alpine Gefahren

Im Winter müssen Tourengeher im Garmisch-Classic Skigebiet auf den ausgewiesenen Winterwegen bleiben und die Regelungen vor Ort (z.B. Sperrgebiete) beachten. Abseits der Skipisten braucht man unbedingt die Lawinenausrüstung. Auf Wintertouren muss jeder die Situation selbst einschätzen, auch wenn die Tour als lawinensicher gilt. Wenn Sie bisher keine Erfahrung mit Wintertouren hatten, lesen Sie unsere Sicherheitstipps:

Der Badersee-Blog: Alpen "For Dummies" - Sicherheit im Gebirge für Einsteiger im Winter

 

Auf Skitour zum Stuiben

Auch bei mir, wie bei vielen anderen in Garmisch, war die Stuibenhütte die erste Skitour, nachdem ich mich für diese Sportart entschieden habe. Seitdem gelingt es mir, mindestens ein bis zwei Mal pro Wintersaison auf der Hütte einzukehren, die günstig über mehrere Touren erreicht werden kann. Die kleine Hüttentour reicht mir sicherlich nicht mehr aus, daher wird diese etwas verlängert – heute mit einem Abstecher zum Mauerschartenkopf und Stuibenkopf.

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08:40 Uhr: An schönen Wintertagen wird der Parkplatz am Kreuzeck schnell besetzt. Wir schaffen es noch, einen der letzten Parkplätze zu bekommen und mit der ersten Gondel zum Osterfelderkopf zu fahren. Der Morgen ist noch düster, aber die Sonne sollte doch später rauskommen. Unterhalb vom Osterfelderkopf liegt eine verzauberte Winterlandschaft, die im Sommer herrliche Touren bietet, aber im Winter wegen Lawinengefahr nicht begehbar ist.

09:15 Uhr: Am Osterfelderkopf angekommen, ziehen wir unsere Skier an und fahren in Richtung Hochalm. Nach dem sogenannten „Durchbruch“, wo man eine enge Passage zwischen den hohen Felsen passiert, kommt kurze Zeit danach eine Abzweigung zur Bernadeinabfahrt. Wir fahren diese runter, bis der Skilift in Sicht kommt, dann bremsen wir ab und suchen auf der rechten Seite den Ausgangspunkt unserer Tour. Dieser ist glücklicherweise mit einem Schild gut sichtbar gekennzeichnet. Jetzt heißt es die Felle aufzuziehen.

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09:45 Uhr: Wir testen zunächst unsere Lawinengeräte, dann kann die Tour starten. Der erste Kilometer verläuft auf der Ebene durch den malerischen verschneiten Bergwald. Zur frühen Stunde kommt uns auf der engen Piste keiner entgegen, was schon einmal gut ist, sonst herrscht auf der Strecke meistens Hochbetrieb.

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10:30 Uhr: Kurz vor der Hütte nehmen wir die Abzweigung nach rechts. Ab hier geht es mit dem Aufstieg los. Kurze Zeit später stehen wir auf einem Plateau, das perfekte Verhältnisse für unser heute geplantes Lawinentraining bietet.

Lawinenverschüttetensuche

Zum Saisonbeginn ist es immer gut, wenn man seine Kenntnisse erneut prüft und auffrischt. So packen meine Mittourengeher heute ein LVS-Gerät in einen Rucksack rein und verstecken diesen dann im tiefen Schnee. Jetzt muss ich den Rucksack mit Hilfe meines LVS-Geräts, meiner Lawinenschaufel und meiner Sonde so schnell wie möglich, aber innerhalb von max. 15 Minuten, finden und rausholen. 15 Minuten hat man bei einer Lawinenrettung in der Regel maximal Zeit, bevor der Verschüttete keine Luft mehr hat. Also LVS auf Suche umstellen und los.

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Am besten wäre für das Training eine echte Lawine, z.B. alten abgerutschten Schnee, zu haben, aber hier an der Stelle ist leider keine vorhanden. Auch das „Opfer“ muss möglichst tief im Schnee versteckt werden – so spürt man deutlich, wie viel Kraft man im Ernstfall benötigt, um den Schnee wegzuschaufeln. Der Neuschnee auf dem Plateau ist natürlich viel leichter als dichter Lawinenschnee, und auch die Suche geht auf der Ebene um einiges leichter als am steilen Hang. Allerdings ist Laufen im Tiefschnee recht anstrengend, gleich bei der Signalsuche muss ich mehrere Streifen durch die Gegend laufen. Bei jedem Schritt sinken meine Beine komplett ein. Von dem Moment an, an dem mein Piepser das Signal von meinem „Verschütteten“ zum ersten Mal wahrnimmt, bis zu dem Zeitpunkt, an dem es mir gelingt, den versteckten Rucksack genau zu orten, verfliegen nur wenige Minuten, aber ich bin inzwischen völlig verschwitzt.

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Jetzt sind es nur noch 46 Meter bis zu meinem „Opfer“. Bei der Grobsuche passiert es jedoch manchmal, dass man von der geraden Linie abweichen muss. Das ist technisch bedingt und liegt an den kurvigen „Feldlinien“, auf denen sich das LVS-Signal verbreitet. Ab und zu fängt mein Gerät das Signal von den anderen Tourengehern auf, die gerade vorbei laufen, diese kann ich aber mit einem Knopfdruck „übersehen“ (diese Funktion ist in vielen modernen LVS-Geräten üblich).

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Kurze Zeit später sagt mein Piepser, dass der Rucksack nur noch weniger als 3 m von mir entfernt liegen soll. Das Gerät schaltet nun automatisch auf Feinsuche um. Ab hier muss ich mich langsamer bewegen und mein LVS direkt über die Schneeoberfläche führen, um den Punkt mit der geringsten Entfernung zum „Opfer“ zu erreichen. Nachdem der Punkt mit der Schaufel markiert wird, prüft man nochmal die genaue Entfernung an der Schneeoberfläche, dann startet man mit der Punktsuche. Diese erfolgt mit der Sonde, die perpendikular an der Schneeoberfläche vorsichtig eingeführt wird, was nicht unbedingt senkrecht bedeutet. Wenn z.B. eine Lawinensuche am Hang mit 25 Grad Neigung stattfindet, muss die Sonde dementsprechend 90 Grad zur Oberfläche behalten. Das liegt daran, dass das LVS die kürzeste Entfernung zum Verschütteten zeigt, so kann das Opfer etwas höher als gedacht am Hang liegen.

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Sondieren geht normalerweise ab dem mit der Schaufel markierten Punkt in einer Spirale nach außen. Dabei kann die Entfernung zum Verschütteten nicht größer sein als der am Gerät angezeigte Wert, z.B. zeigt mein Gerät gerade eine Entfernung von 0,7 m – entsprechend macht es für mich keinen Sinn, die Sonde mehr als 70 cm in den Schnee zu stecken. Meine erste Schätzung war richtig und ich stoße bereits beim zweiten Stich auf etwas, das stark an einen Rucksack erinnert. Es ist natürlich gut zu wissen, dass es aktuell keine Person ist, die man mit der Sonde verletzen kann. Jetzt kommt die Lawinenschaufel zum Einsatz. Schaufeln ist der größte Aufwand bei der Lawinensuche, insbesondere dann, wenn das „Opfer“ tief begraben ist.
Nach erfolgreicher „Rettung“, üben wir noch eine kurze Zeit Sondieren und versuchen zu erkennen, welche Objekte wir gerade mit der Sonde erfasst haben – Steine, Holz oder gefrorene Erde.

Am besten geht Lawinenverschüttetensuche im Team: im Ernstfall schafft man es kaum, eine oder mehrere Personen von allein zu retten, besonders wenn diese tief verschüttet sind. Daher empfiehlt es sich auch auf Tour den Abstand zueinander größer zu halten, so dass im schlimmsten Fall nur eine Person verschüttet wird.

Mehr über Lawinenverschüttetensuche

 

11:30 Uhr: Nach dem gelungenen Training geht es weiter durch die verschneite Landschaft. Bald stehen wir am Fuße der Mauerscharte, links davon ist unser Ziel Mauerschartenkopf (1.919 m). Angeblich wird die Scharte so genannt, weil sie extrem steil ist. Das kann ich bestätigen: die nächsten 45 Minuten steigen wir in endlosen schweißtreibenden Spitzkehren immer weiter auf, bis wir auf dem windabgeblasenen kahlen Rücken stehen. Von hier ist der Gipfel in Sicht.

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12:30 Uhr: Das Wetter ist heute eine Mischung aus Sonne und Wolken. Als wir den Gipfel erreichen, beleuchten uns plötzlich die warmen Sonnenstrahlen, und zwar rechtzeitig, als wir uns nach dem anstrengenden Aufstieg eine Teepause gönnen. Wegen seiner Nähe zur Stuibenhütte ist der Mauerschartenkopf an schönen Tagen sehr beliebt.

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Viele Tourengeher machen gerade Pause auf dem Gipfel und eine große Gruppe kommt gerade noch von der Stuibenhütte. Der Platz wird langsam knapp, so ziehen wir die Felle ab und fahren runter. Natürlich machen wir einen Abstecher zum Stuibenkopf (1.924 m), der gleich daneben liegt und sich ohne große Höhenverluste relativ leicht besteigen lässt. Über seinen breiten Hang fahren wir dann zur Stuibenhütte hinab.

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13:10 Uhr: Die Stuibenhütte liegt gemütlich vor uns, bereits bei der Anfahrt riechen wir den leichten Rauch vom Holzofen. Eine gute alpine Küche ist hier allerdings nicht zu erwarten, da die Stuibenhütte eine Selbstversorgerhütte ist. An manchen Tagen hat der Hüttenwirt zwar seinen Kreativen (wahrscheinlich wird es ihm ab und an zu langweilig, den ganzen Winter nur auf der Hütte zu hocken), dann gibt es auch einmal eine Erbsensuppe oder ähnliches. Meistens werden hier aber nur Flaschengetränke angeboten, die man draußen am Hüttenfenster selbst abholt oder drinnen direkt aus der Kiste nimmt. Die Einheimischen plaudern gerne mit dem Hüttenwirt Jochen, der spricht aber einen so heftigen Dialekt, dass ich gerade mal nur einzelne Wörter verstehe. So schau ich mir lieber die Hütte an. Die ist urig, hübsch und traditionell ausgestattet. Ein besonderes Highlight ist das Plumpsklo mit einer großen Auswahl an lustigen Plakaten und Fotos.

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14:20 Uhr: Gut erholt verlassen wir wieder die Hütte. Von hier aus geht es direkt auf die Abfahrt. Diese ist zwar nicht lang, aber steil und an vielen Stellen vereist. Am Ende der Abfahrt erreichen wir wieder die relativ flache Piste durch den Wald, die uns zurück zum Bernadein-Skilift bringt. Hier muss man auf den Gegenverkehr Obacht geben. Mit dem Schlepplift kommen wir wieder auf die Skipiste Osterfelderkopf - Kreuzeck, nach wenigen Minuten ist die Hochalm vorbei. Am Kreuzeck geht es ganz normal weiter zum Trögl-Tunnel und dann über die Kandahar-Abfahrt erreichen wir gegen 15 Uhr das Tal.

Tipps & Infos:

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