Ausflugtipp: Wanderung zum Ferchensee

Kategorie: Freizeit  // von Sonja Wilms
Ausflugtipp: Wanderung zum Ferchensee
Montag, 18 Mai 2020

Meine Mutter macht gerade Urlaub in Bayern und so ergeben sich für uns wieder neue Erkundungstouren durch die Region. Mit 75 Jahren ist meine Mutter noch recht gut unterwegs, aber Aufstiege sind doch zu schwer. Entsprechend suchen wir uns einen Wanderweg aus, der größtenteils eben verläuft und von der Laufzeit 3 bis 4 Stunden benötigt. Nachdem ich mehrere Wanderführer durchblättert habe, werden wir fündig: Eine Wanderung zum Ferchensee soll es werden!

Das Wetter ist am Morgen wunderbar sonnig und verspricht ein tolles Alpenpanorama. Die Temperaturen sind ebenfalls angenehm für den heutigen Wandertag und so sind wir nach dem Frühstück startklar. Mit dem Auto geht es zum Parkplatz am Kranzberg-Sessellift oberhalb von Mittenwald (Parkplatz Kärtner-Alm), der gegen 10:00 Uhr noch recht leer ist. Ich schnüre meinen Wanderrucksack mit den Getränken um und nehme meine Kamera zur Hand. Der heutige Tag bietet sicherlich wieder wunderschöne Landschaftsaufnahmen.

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Bereits am Parkplatz hat man einen schönen Blick auf das berühmte Städtchen Mittenwald, das vor allem für seine bunt bemalten Häuser und seine Geigenbaugeschichte bekannt ist. Dahinter breitet sich das Karwendelgebirge aus. Wir starten am westlichen Ende des Parkplatzes und folgen dem Wegweiser in Richtung Lautersee. Vorbei geht es an einer kleinen Kapelle und einem imposanten Jesus-Kreuz. Kurz hinter der Kapelle verlassen wir dann die letzten Häuser und tauchen in die Natur ein. Unser Wanderweg startet nun zunächst mit einem Aufstieg, der sich über mehrere Kehren den Berg hinauf zieht. Schnell sind wir warm gelaufen, der Kreislauf kommt in Wallung, doch bietet der Aufstieg schöne Haltepunkte um die Aussicht zu genießen oder die Frühjahrsblumen am Wegesrand zu betrachten. Einige Bänke laden zudem ein, sich kurz hinzusetzen, wenn der Bedarf besteht.

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Einmal auf der Höhe angelangt, folgen wir dem Geolehrpfad. Hier stehen entlang des Weges zahlreiche Lehrtafeln zur Entstehung der Landschaft zwischen Mittenwald, Krün und Wallgau, sowie imposante Felssteine, meist Gletscherfindlinge aus der Region, aber auch aus Österreich, darunter Gneis, Marmor, Kalk und anderes Gestein. Der Lehrpfad bildet einen eigenen kleinen Wanderweg, der insbesondere für Familien geeignet ist und selbst mit einem Kinderwagen begehen werden kann.

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Wir folgen dem Weg weiter geradeaus und kommen nach etwa 30 Minuten zu einem kleinen Bach und zum Klausnergraben auf der Streuwiese, dem sogenannten „Bödele“. Hier öffnet sich der Wald erstmals ganz und der Blick schweift zur erhabenen „Wettersteinspitze“ hinüber. Weiter geradeaus führt unser Weg noch einmal ein Stück durch den Wald und dann öffnet sich der Blick wieder vor unseren Augen. Ein herrliches Panorama bietet sich uns mit der Wettersteinspitze und einer kleinen süßen Kapelle davor. Dieser Anblick lässt das Herz gleich höher schlagen. Oh du schöne Berglandschaft, wie sehr verzauberst du uns wieder mit deinem Antlitz.

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Ein kurzer Abstecher zur Kapelle ist ein Muss und dann blicken wir auch schon auf den Lautersee, dem ersten von zwei Seen auf dieser Tour. Türkisgrün breitet er sich vor unserem Auge aus. Am See steht auch das Strandbad Lautersee, welches normalerweise im Mai seine Pforten öffnet. Der Aufbau ist bereits im Gange. Wir gönnen uns am Kiosk ein erstes Eis und genießen für einige Momente die schöne Aussicht auf den See.

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Der Lautersee ist wie auch der Ferchensee ein glazialer See. Während der letzten Kaltzeit, vor ca. 115.000 bis 11.500 Jahren, war das gesamte Gebiet um den Kranzberg von den mächtigen Eismassen des Isar-Loisach-Gletschers bedeckt. Dieser rundete auf seinem Weg in das Alpenvorland nicht nur die Bergkuppen bis in Höhen von 2.000 m ab, sondern schürfte auch die Täler zu breiten Trogwannen aus. Lauter- und Ferchensee sind Teile solcher Tröge, die sich nach dem Abschmelzen des Gletschereises vor etwa 10.000 Jahren mit Schmelzwasser füllten. Im Alpenvorland heißen sie aufgrund ihrer Form Zungenbeckenseen. Von dieser Seeform findet man zahlreiche Seen im Alpenvorland, u.a. auch der Ammersee, Starnberger See oder auch der Bodensee. Der Lautersee ist ca. 12 ha groß und an seiner tiefsten Stelle 19 m tief. Der See gehörte der Brauerei Mittenwald, die dort Eis zur Bierkühlung erntete. Da musste damals schon sehr viel Bier gekühlt werden.

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Kurz hinter dem Strandbad zweigt der Weg ab und wir folgen dem Pfad, der rechts bergauf ansteigt. Das ist der zweite Anstieg auf dieser Wanderung, ist aber ebenfalls gut zu bewältigen. Wir passieren eine Wiese, auf der zur jetzigen Zeit der Enzian über weite Bereiche die Wiese in ein blaues Blütenmeer verwandelt. Ein Augenschmaus für jeden Blumenliebhaber. Wir laufen kurz rechts weiter den Pfad hinauf und gelangen an eine Abzweigung an der wir der Beschilderung zum Ferchensee weiter folgen. Dort gelangen wir zu einer Fahrstraße, die wir kreuzen, um auf dem Fußweg zu bleiben. Die Fahrstraße führt zwar ebenfalls zum Ferchensee, ist aber den Fahrradfahrern vorbehalten, die diese wunderschöne Landschaft mit dem Radl erkunden.

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Nur noch einige Kehren, dann liegt er auch schon vor uns, der malerische Ferchensee auf 1.059 m. Der See ist etwas größer als der Lautersee und wird von kleinen Bergbächen gespeist. Nach Nordnordwest hin fließt der Ferchenbach ab. Im Sommer erreicht der See eine Temperatur von 20 Grad und das Wasser ist sehr sauber. Kein Wunder also, dass der Ferchensee ebenfalls ein beliebter Badesee der Einheimischen ist. Im Volksmund heißt es „Zum Idakniagln“, also zum Niederknien schön.  Und es stimmt, das türkisblaue Wasser lädt einfach zum Baden ein, aber aktuell ist es doch noch zu kühl, brrr. Es ist halt ein Gletschersee, der braucht schon seine Zeit zum Aufwärmen. Kein Wunder also, dass die Wiesenflächen um den See herum ebenfalls noch recht leer sind. Wir umrunden einmal den See und passieren das Gasthaus Ferchensee, an dem es sogar eine Linienbushaltestelle gibt, für all diejenigen, die etwas Fuß- oder Beinfaul sind, oder einfach nicht können. Sowohl hier als auch am Lautersee hätte man zwei Speiselokale zum Einkehren. Ich habe mir sagen lassen, dass die Forellengerichte ein Traum sind. Wir kommen wieder, versprochen.

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Wieder am Endpunkt des Rundwegs um den See angelangt geht es auf gleicher Strecke zunächst zurück zur Fahrstraße. Hinter der Fahrstraße an der Enzian-Wiese nehmen wir dann den rechten Weg, der ebenfalls zum Lautersee hinunterführt. Mit den steilen Kehren hinab haben wir allerdings nicht gerechnet. Gut, dass wir diesen Weg nicht für den Aufstieg genommen haben, der wäre um einiges beschwerlicher gewesen. Wir kommen hinter dem Lautersee Hotel aus und umrunden von hier einmal den Lautersee, bis wir an der Brücke angelangt sind, die beim Strandbad liegt.

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Von hier geht es auf gleichem Wege zurück zum Parkplatz an der Kärtner-Alm. Was war das wieder für eine schöne Wanderung. Meine Mutter ist hochzufrieden mit der Wanderung gewesen und das ist doch perfekt, wenn man den Besuch glücklich stimmen kann und die Schönheit der hiesigen Region zeigt.

Infos & Tipps:

  • Diese Tour kann auch leicht mit dem öffentlichen Nahverkehr organisiert werden. Vom Hotel am Badersee nimmt man die Zugspitzbahn oder den Eibseebus bis zum Bahnhof Garmisch-Partenkirchen und steigt dann in die Regionalbahn nach Mittenwald. Von dort fährt der Bus Nr. 4608 zur Karwendelbahn.
  • Mit dem Auto vom Hotel am Badersee der Route nach Mittenwald folgen. In Mittenwald Nord der Ausschilderung zum Kranzberglift folgen. Unterhalb des Kranzberg-Sessellifts ist der Parkplatz (gebührenpflichtig), Navi: Kranzbergstraße 21, 82481 Mittenwald.
  • Gehzeit: 3,00 Stunden, Distanz: 8,9 km, Höhenunterschied: 200 m
  • Überall entlang der Route befinden sich Bänke, auf denen man sich bei Bedarf ausruhen kann.
  • Einkehrmöglichkeiten: Kärtner Alm am Sessellift (kaerntner-alm.de), Lautersee-Alm (www.lautersee-alm.de), Gasthaus Ferchensee (www.ferchensee.eu). Saisonale Schließzeiten beachten.
  • Bademöglichkeiten: Die besten Badestellen befinden sich am südöstlichen Ende des Lautersees sowie an der Südseite des Ferchensees. Beide Seen bieten Bootsverleih.
  • Die Wege sind auch im Winter geräumt.
  • Busanfahrt zum See von Mitte Mai bis Mitte Oktober zwischen 11:00 bis 17:00 Uhr, stündlich ab Bahnhof Mittenwald. Infos unter 08823/8310.
  • Lautersee- und Ferchensee sind auch beliebte Radfahrziele. Je nach Ausdauer und Kondition kann die Radtour direkt ab dem Hotel am Badersee starten und über Klais und Elmau führen. Bei Bedarf kann man mit der Bahn dann zurück fahren.

 


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