Spitzenwanderweg Etappe 9: Von Grainau zum Schloss Linderhof

Kategorie: Freizeit  // von Sonja Wilms
Spitzenwanderweg Etappe 9: Von Grainau zum Schloss Linderhof
Freitag, 09 Oktober 2020

Auf den Spuren von König Ludwig II. geht es heute vom idyllischen Ferienort Grainau zum Lieblingsschloss des bayerischen Märchenkönigs. Die schöne Waldroute verläuft vorbei an der Loisach und führt den Wanderer ein Stück des Weges um den Kramer herum. Herrliche Bergblicke genießt der Wanderer genauso wie kleine und größere Bachläufe. Und am Ende der Tour steht Schloss Linderhof zur Besichtigung offen. Ein geführter Rundgang durch das kleine, aber prunkvolle Schloss sollte man sich nicht entgehen lassen.


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Karte © www.ich-geh-wandern.de

Spitzenwanderweg – auf 200 km die Naturlandschaft der Zugspitzregion erleben

Vor nicht allzu langer Zeit wurde der Spitzenwanderweg feierlich eröffnet. Auf 200 km und 12 Etappen führt der Fernwanderweg durch die malerisch vielfältige Landschaft der Zugspitzregion. Dabei werden auch mehr als 6.800 Höhenmeter hinterlegt, also ist der Spitzenwanderweg ein recht sportliches Unterfangen. Aber es lohnt sich. Denn der Weg führt durch eine vielfältige Landschaft und passiert dabei auch zahlreiche Kulturdenkmäler. Start- und Endpunkt ist das malerische Städtchen Murnau. Zwei Hüttenübernachtungen sind auf dem Fernwanderweg inkludiert, einmal im Soiern-  und einmal im Schachenhaus. Auf den 200 km passieren Wanderer traumhafte Aussichten, blumenreiche Berg- und Moorwiesen, tiefblaue Bergseen, sprudelnde Quellen und Flüsse, die spektakuläre Partnach- und Höllentalklamm, Voralpengipfel mit Weitsichten, sowie Kulturdenkmäler wie die Königsschlösser Schachen und Schloss Linderhof, sowie typisch bayerische Ortschaften wie Murnau, Krün, Mittenwald, Grainau oder Oberammergau. Es gibt somit viel zu erleben und zu entdecken auf dem 200 km langen Pfad.

Und auch wir sind heiß auf den Fernwanderweg und beschreiten diesen Etappe für Etappe, denn auch für uns Einheimische wird der Weg ein besonderes Erlebnis werden. Zum Teil alleine, aber auch mit meiner Kollegin werde ich den Weg laufen. Begleiten Sie uns auf dem Wanderpfad.

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Bild © spitzenwanderweg.de

Zur Etappe 8: Vom Kreuzeck über die Höllentalklamm nach Grainau

Etappe 9: Von Grainau zum Schloss Linderhof

Die Landschaft erobert man mit den Schuhsohlen, nicht mit den Autoreifen.“ 
Georges Duhamel, französischer Schriftsteller, 1884 – 1966

Von der pittoresken Kirche St. Johannes der Täufer mit dem idyllischen Friedhof dafür und der malerischen Bergkulisse starte ich heute auf die 9. Etappe des Spitzenwanderwegs. An dem schönen Wandertag bin ich dieses Mal alleine unterwegs. Durch die Innenstadt von Grainau führt mich der Weg zunächst zur kleinen Kapelle und dann in den Baderseeweg, wo ich auf das Zeichen des Spitzenwanderwegs treffe.

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Vorbei an einigen malerischen Bauernhäuser leitet mich der Spitzenwanderweg hinter dem Hotel Waxenstein auf den Höhenrainweg und zur Kriegerkapelle, die ich kurze Zeit später erreiche. Die schön gelegene Kriegerkapelle mit Lüftlmalerei wurde 1957 errichtet und gedenkt an die vielen Grainauer, die bei den Kampfhandlungen des 2. Weltkrieges den Tod fanden. Hier stehen viele Bänke, auf denen man Platz nehmen könnte, um die Aussicht auf das Zugspitzmassiv zu genießen.

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Es geht weiter über den Pass, den Grainau von der B23 trennt. Von der Höhe aus hört man bereits das Vorbeifahren der Autos und nach dem Abstieg treffe ich auf die Bundesstraße nach Österreich. Ich folge dem Weg nun ebenfalls in Richtung Griesen. Dieser Abschnitt des Wanderpfads ist leider nicht sehr schön, aber um am Ende auf den Fußweg nach Linderhof zu gelangen, muss man zunächst an der B23 entlang. Die Loisach fließt zu meiner Linken, zu schade, dass es keinen Weg gibt, der auf der anderen Seite des Flusses in der Natur verläuft. Zunächst noch tief unter mir, kommt der Flusslauf bald auf meine Höhe. Wenn man Lust hätte, könnte man an einigen Stellen des Flusses nun ein kühles Bad nehmen oder zumindest die Füße ins Wasser halten. An dieser Stelle sieht man auch oft Kajakfahrer.

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Ich erreiche die Stelle, an der ich nun die B23 kreuze um auf den Wander-/Bikepfad zu gelangen, der zum Schloss Linderhof führt. Die Kreuzung liegt vor dem Parkplatz Ochsenhütte. Von hier aus geht es nun wieder in die Natur hinein und ich lasse die Geräusche der Autos bald hinter mir. Stattdessen begleitet mich das Läuten der Kuhglocken, die auf den Wiesen weiden.

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Ich laufe auf dem kleineren Forstweg, der oberhalb des größeren Forstweges verläuft. Ab hier geht es bergauf. Der kleinere Forstweg kommt am Ende wieder auf den größeren Forstweg und es heißt weiter bergauf zu marschieren, bis man letztendlich die Höhe erreicht hat, von der dann der Weg nur noch bergab verlaufen wird. Doch zunächst ist eine erste Pause angesagt, eine kleine Stärkung und etwas zu trinken für den noch großen Teil des Aufstiegs, der vor mir liegt.

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Gut gestärkt heißt es für mich nun die Höhe zu erklimmen. Der schöne Bergwald bietet  bei den sonnigen Temperaturen angenehmen Schatten, denn mit dem Anstieg wird es mir auch gleich wärmer, als es sowieso schon ist. Ab und an bieten sich einige schöne Aussichten auf die umgebene Bergwelt. Mountainbike- und E-Bike-Fahrer ziehen an mir vorbei. Die Mountainbiker treten ebenfalls hart in die Pedale und sowohl beim Wanderer als auch beim Biker geraten die Muskeln in Wallung. Doch auch jeder Anstieg hat glücklicherweise einmal ein Ende und ich muss zugeben, dass dieser Anstieg auch gar nicht so schlimm war, wie zunächst angenommen. Ich brauchte fast nur 30 Minuten um auf die Höhe zu gelangen.

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Ich erreiche eine große Weggabelung an der man die Wahl hat, verschiedene Wanderwege oder Radwege zu beschreiten bzw. zu befahren. Für mich geht es geradeaus weiter. Laut Wanderschild habe ich noch 2 Stunden 45 Minuten vor mir, bis ich Schloss Linderhof letztlich erreichen werde. Da es aber von nun an bergab geht, ist der schwierigste Teil der Wanderung passé und der weitere Verlauf wird wohl eher gemütlich sein.

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Es geht weiter auf breiter Forststraße durch den Bergwald. Immer wieder treffe ich auch auf einige Radfahrer und Bergwanderer, die mich nach dem Weg fragen. Den meisten Radfahrern kann ich helfen, denn sie fragen nach dem Radweg nach Griesen oder die große Abzweigung von der ich gekommen bin. Bei dem Bergwanderer, der eine Abzweigung hinauf auf einen Gipfel sucht, bin auch ich überfragt. Ich habe zwar ein Schild zum Frieder gesehen, aber die Ausschilderung für den Berg, den er sucht, habe ich nicht gesehen. Ich hoffe, er findet den richtigen Weg. Ich hingegen suche jetzt einen Rastplatz für eine zweite Pause, denn zur Mittagszeit fängt mein Magen an zu knurren und eine zweite Brotzeit würde jetzt gut tun. Doch an Bänke entlang des Weges wurde nicht gedacht. Ein Holzstapel fällt auch flach, da zu viele Kühe hier ihre Hinterlassenschaft gelassen haben. Also nutze ich einen Jägerstand. Der bietet nicht nur eine schöne erhöhte Aussicht, sondern auch einen netten Sitzplatz.

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Mit einer schönen Aussicht schmeckte das Pausenbrot schon immer besser. Bereit für das letzte Stück des Weges, klettere ich von meinem Hochstand hinab. Geradeaus geht es weiter hinab in Richtung Linderhof. Kleine Bachläufe plätschern neben mir daher, Schmetterlinge und Bienen suchen nach Nektar an den letzten noch blühenden Blumen und das Vogelgezwitscher sorgt für musikalische Unterhaltung entlang des Weges. Über den Baumwipfeln ragen die Berge in die Höhe, auch hier werden heute einige Bergsteiger und -kletterer ihrer Passion nachgehen.

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Je tiefer ich wieder in das Tal gelange, umso mehr weitet sich der Wald. Ich passiere breite Bachläufe, die aufgrund der Trockenheit kein Wasser führen, aber bei der Schneeschmelze im Winter oder nach heftigen Regenfällen bis zum Rand mit tobenden Wasser gefüllt werden. Dann erreiche ich eine weitere Weggabelung mit einem Schilderbaum. Zwei Wege führen zum Schloss Linderhof, bei dem einen sind es noch 1 Stunde 15 Minuten zu laufen, bei dem anderen nur noch eine Stunde. Glücklicherweise zeigt das Spitzenwanderwegzeichen auf den Weg, der nur 1 Stunde benötigt. Es heißt für mich also links abzubiegen.

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Der Wanderweg verläuft über den ausgetrockneten Flusslauf, gut, dass gerade kein Wasser darin fließt, sonst wäre die Überquerung um einiges heikler. Auf der anderen Seite geht es wieder in den Wald hinein und weiter auf breiter Forststraße. Mittlerweile höre ich die Autos der Straße, die zum Schloss Linderhof führt. Mein weiterer Wegeverlauf führt mich parallel der Straße, aber immer noch durchs Grüne. Ich habe schon die Befürchtung gehabt, dass der Weg direkt entlang der Straße führt, wie zuvor schon bei der B23. Jetzt ist es nicht mehr weit. Ein kurzes Stück noch und ich stehe auch schon an der Straße, die ich kurz queren muss. Noch einige Meter und ich bin am Schloss Linderhof angekommen.

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Da ich das Schloss bereits von Innen bestaunt habe, reicht es für einen Rundgang durch die Parkanlage, bis mein Bus kommt und mich zurück nach Grainau bringen wird. Zunächst kaufe ich mir am Kiosk ein Eis, das ich mir nach 20,5 km Strecke nun wirklich verdient habe. Auch heute sind wieder viele Besucher hier, um sich das märchenhafte Schloss anzuschauen. Schloss Linderhof ist zwar das kleinste Schloss von König Ludwig II, aber es war auch sein Lieblingsschloss. Die Gartenanlage, in der das zwischen 1870 und 1886 im Neorokoko-Stil errichtete Lustschloss liegt, ist riesig dagegen und man könnte hier sehr lange Spaziergänge genießen. Viele der in der Parkanlage stehenden königlichen Gebäude sind zudem frei zugängig und über eine Sprechanlage erhält der Besucher in mehreren Sprachen Information zur Entstehung und Bedeutung.

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Nachdem ich einen kleinen Rundgang durch die Gartenanlage getätigt und auch noch einige Minuten die Sonne und das Ambiente an der Kaskadenanlage vor dem Schloss genossen habe, heißt es zurück zum Eingang zu laufen, denn der Bus kommt in wenigen Minuten. Die Rückfahrt bis Grainau ist zwar bedingt durch zwei Umstiege und Wartezeit recht lang, aber dafür können sich meine Füße in Ruhe von den Strapazen erholen.

Tipps & Infos:

  • Streckenlänge: 20,5 km, Leistungskilometer: 26 km
  • Gehzeit ohne Pause: ca. 5 Stunden 11 Minuten
  • Höhenmeter ca. 594 m hoch, 467 m runter
  • Schwierige Wanderung (Auf der Website steht zwar schwierig, aber ich würde diese Tour eher als leicht – mittelschwer bezeichnen. Der Weg birgt außer der Länge keine wirklichen Schwierigkeiten, denn er ist breit, Trittsicherheit oder Schwindelfreiheit ist nicht nötig). Gemütliche Wanderschuhe oder Laufschuhe für die Strecke, meist breiter Forstweg, Teer- und Feldweg.
  • Vom Tourismusamt gibt es leider nur eine Übersichtskarte vom Spitzenwanderweg. Auf der offiziellen Spitzenwanderweg-Website gibt es auch keine digitale Wegekarte. Die beste Navigation ist daher: https://www.ich-geh-wandern.de/gps-daten/spitzenwanderweg-etappe-9-grainau-schloss-linderhof
  • Vom Hotel am Badersee muss man nicht unbedingt hinunter in den Ort Grainau laufen, sondern kann bis zur Straße vor und am Hotel Waxenstein bereits einbiegen.
  • Öffentlicher Nahverkehr ab Schloss Linderhof: Mit dem Bus bis Ettal oder Oberammergau. Umsteigen in den Bus nach Garmisch-Partenkirchen und mit dem Eibsee-Bus zurück zum Hotel am Badersee. Die Fahrzeit beträgt zwischen 1 Stunde 50 und 2 Stunden 50 wegen der Wartezeiten bei den Umstiegen. Letzter Bus fährt unter der Woche um 18:56 Uhr (Ankunft Hotel um 21:47 Uhr), am Samstag und Sonntag um 17:55 Uhr (Ankunft Hotel um 20:47 Uhr). Fahrpläne unter bahn.de
  • Diese Etappe eignet sich auch hervorragend für eine E-Bike oder MTB Tour. E-Bike-Ladestation gibt es am Hotel beim Schloss Linderhof, wenn es geöffnet ist. Bitte vorher prüfen.
  • Einkehrmöglichkeiten: erst am Schloss Linderhof. Daher genügend Verpflegung und Getränke mitnehmen.
  • Wanderausschilderung vorhanden, das Zugspitzzeichen ist teils klein auf den offiziellen gelben Wanderschildern zu sehen. Daher auf die gelben Wanderschilder achten.
  • Besichtigung Schloss Linderhof: nur geführte Touren, Ticketreservierung im Voraus online. Meistens hat das Schloss noch einige Resttickets, insbesondere in der Nebensaison. Wer sicher gehen möchte, sollte online für die Nachmittagsbesichtigung Tickets mind. 7 Tage vorher reservieren. Der Schlosspark ist frei zugängig und kostenfrei. Infos & Tickets: www.schlosslinderhof.de

Zur Etappe 10: Von Schloss Linderhof bis Unterammergau