Alpen „for Dummies“: Sicherheit im Gebirge für Einsteiger im Winter

Kategorie: Freizeit
Sicherheit im Gebirge - Winter
Mittwoch, 15 Januar 2020

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit der Bergwacht Grainau entstanden.

Der Winter lockt Millionen Wintersportler und Touristen in den Alpenraum. Der Schnee baut die Grundlage für einzigartige Wintererlebnisse im Werdenfelser Land. Hier ein paar Sicherheitstipps für unsere Gäste, die während ihres Winterurlaubs Ski fahren, auf Skitour gehen oder Schneeschuhwanderungen unternehmen.

Im Skigebiet

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Garmisch-Partenkirchen bietet Wintersportlern zwei Skigebiete: Garmisch-Classic und Zugspitze. Laut Bergwacht Bayern sind im gesamten Skigebiet Garmisch-Partenkirchen allein in der Skisaison 2017/2018 ca. 850 Skiunfälle an den Pisten passiert. Dabei ist es auch bemerkenswert, dass der Anteil schwerer Unfälle über die Jahre immer höher wird. Umso wichtiger ist es, dass jeder Skifahrer dem Risiko bewusst ist und die Sicherheitshinweise im Skigebiet beachtet.

Ausrüstung

Als erstes beachtet man beim Skifahren die richtige Skiausrüstung und warme Kleidung. Ein Helm ist beim Skifahren höchstens empfohlen. Nehmen Sie Ihre Krankenversicherung sowie Ihren Ausweis mit. Rucksäcke sind an den Sesselliften aus Sicherheitsgründen nicht gestattet, mit der Ausnahme von ganz kleinen flachen Rucksäcken.

Schlusszeiten

Von den beiden Skigebieten hat nur Garmisch-Classic eine Abfahrt ins Tal – das heißt, an der Zugspitze muss man die Schlusszeiten beachten und rechtzeitig zum Zugspitzbahnhof bzw. zur Gondel erscheinen.

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Sicher an der Piste

Als Anfänger sucht man sich lieber leichtere Abfahrten – so sollte man z.B. die berühmte Kandahar erstmal meiden. An der Piste denken Sie daran, dass bei einem Zusammenprall immer der Skifahrer verantwortlich ist, der höher am Hang war (und damit wahrscheinlich eine höhere Geschwindigkeit hatte). Das liegt daran, dass man beim Skifahren von sich nach oben keine Übersicht mehr hat. Wenn Sie direkt an der Piste halten und kurze Pause machen müssen, machen Sie es am besten am Pistenrand oder, wenn es nicht anders geht und Sie in der Mitte bleiben müssen, suchen Sie sich einen Platz, der von oben gut sichtbar ist (also nicht am steilen Hang, der unmittelbar einer flachen Stelle folgt!). Bei der Abfahrt fahren Sie am besten in kleineren Kurven, ohne den gesamten Hang auf einmal zu überqueren, damit sich Ihr Weg mit schnelleren Skifahrern weniger kreuzt.

Gefahrenstellen

Manchmal sind die Skipisten so angelegt, dass sie sich mit Skiliften oder Rodelbahnen kreuzen. An solchen Stellen, die meistens extra mit Verkehrszeichen markiert sind, ist besondere Obacht angesagt. Besonders an der Zugspitze passieren unterhalb der Rodelbahn immer wieder Unfälle. Befahren Sie nie gesperrte Pisten – wegen Schneelage oder beim Einsatz von Seilwinden besteht Lebensgefahr.

Lawinengefahr

Auch im Skigebiet sind Lawinen möglich. Verlassen Sie also die Piste bei der Abfahrt nicht und beachten Sie die Sperrgebiete – Pisten und Hänge können kurzfristig wegen erhöhter Lawinengefahr oder Sprengungen gesperrt werden.

Unfall im Skigebiet?

Wenn ein Unfall passiert und Sie dabei sind, sichern Sie als erstes die Unfallstelle ab: machen Sie am Hang ca. 10-15 Meter oberhalb von der Unfallstelle ein Zeichen aus gekreuzten Skiern oder Stöcken. Dann muss man prüfen, ob die Person verletzt ist bzw. ob sie selbstständig weiter fahren kann. Im Zweifel warten Sie nicht zu lange, bevor Sie eine Entscheidung treffen – lassen Sie die verletzte Person nicht lange im Schnee liegen, besonders wenn es langsam dunkel wird.

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Wenn Hilfe doch benötigt wird, verständigen Sie so schnell wie möglich die Bergwacht unter der Alpinnotrufnummer 112. Inzwischen nutzen Sie vorhandene Kleidungsstücke und Gegenstände (Skier oder Snowboard, Rucksäcke), um den Kontakt zum Schnee zu minimieren und so den Wärmeverlust zu vermeiden. Wenn die Bergwacht ankommt, helfen Sie bei Bedarf, die benötigten Informationen zur Verfügung zu stellen. Danach werden die Verletzten in der Regel entweder nach unten mit dem Akia und dann mit dem Krankenwagen zum Klinikum abtransportiert oder, je nach Verletzungsart, mit dem Hubschrauber direkt zur Notfallklinik in Partenkirchen oder zur Unfallklinik Murnau gebracht. Bei leichteren Verletzungen (z.B. Schulterluxation) kann man sich selbstständig an der Bergwachthütte melden und die erste Hilfe bekommen – mit der Pflicht, demnächst einen Arzt zu besuchen. Stationen der Bergwacht sind auf dem Pistenplan markiert.

 

Abseits der Pisten

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Skitouren, Winterwandern, Rodeln, Winterbergsteigen, Eisklettern – so vielfältig ist der Schneespaß in den Bayerischen Alpen. Schnee kann aber gefährlich sein, besonders bei erhöhten Schneemengen oder nach einem Schneefall. Wenn Sie in Garmisch-Partenkirchen zu Gast sind, betreten Sie die verschneiten Berglandschaften nicht alleine. Natürlich können Sie ruhig die bekannten und gut markierten Winterwanderwege im Tal oder in den Skigebieten nutzen. Für alle anderen Winteraktivitäten lassen Sie sich am besten von den Einheimischen beraten bzw. schließen Sie sich einer geführten Gruppe ein. Einheimische Bergführer kennen das Gelände und können das Lawinenrisiko richtig einschätzen.

Einige schöne Skitouren liegen im Skigebiet Garmisch-Classic. Hier gelten dann die DAV Regeln für Skitouren auf den Pisten.

Hier können Sie über geführte Winterwanderungen und hochalpine Wintertouren mehr erfahren:

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Orientierung

Verlassen Sie sich nicht komplett auf Ihr Handy – der Akku wird bei Kälte schnell leer und es gibt an vielen Orten keinen Empfang. Nehmen Sie eine Karte und Kompass mit. Informieren Sie die Anderen im Voraus über Ihre Wanderung bzw. Skitour: wann und wo es hingeht, bzw. wann die Rückkehr geplant ist. Unterwegs halten Sie sich am besten an die auf der Karte markierte Route – so meiden Sie meistens Gefahrenstellen. Im Zweifel drehen Sie rechtzeitig um. Merken Sie sich immer Ihre Position auf der Karte – bei Rettungsaktionen ist das die wichtigste Information.

Wetterlage und Lawinenlage beachten

Im Winter wird es noch wichtiger als im Sommer, die Wetterlage zu beachten. Aktuelle Informationen zu Schneehöhen, Windverhältnissen und Temperaturen erhält man täglich beim Lawinenwarndienst Bayern (bzw. Lawinenwarndienste Tirol) und beim Deutschen Wetterdienst. Verschüttungsunfälle sind allerdings leider auch bei niedrigeren Lawinengefahrenstufen möglich – durch lokale Schneeansammlungen sogar bis Ende Juni. Auf Tour achten Sie also stets auf die Schneelage, auch wenn Sie im Skigebiet sind.

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Ausrüstung

Bei längeren Hochtouren im Alpingelände ist es extrem wichtig, warm und trocken zu bleiben und ausreichend zu trinken. Stellen Sie sich auf Wetterumschwunge und wesentliche Temperaturunterschiede zwischen Berg und Tal bzw. zwischen Tag und Nacht ein. Selbstverständlich braucht man gute Bergschuhe, warme aber leichte Sportkleidung, Proviant und Getränke. Am besten tragen Sie auffällige Kleidung, damit man in der Not schneller gefunden werden kann, und packen Sie dazu eine Sicherheitsweste mit ein. Skitourenausrüstung kann man in Garmisch-Partenkirchen ausleihen (z.B. hier oder hier). Je nach Tourenart und Wetterverhältnissen sind Steigeisen oder Grödel, Harscheisen sowie Eispickel auf vereisten Flächen und Schneefirn zu empfehlen – gerne berät Sie Ihr Bergführer dazu. Dazu ist es höchstens empfohlen, folgendes mitzunehmen:

  • Erste-Hilfe-Set mit Rettungsdecke
  • Stirn- oder Taschenlampe, Ersatzbatterien
  • Sonnenbrille
  • Sonnencreme
  • Wechselkleidung (z.B. Funktionsunterwäsche)
  • Wanderstöcke sind beim Abstieg unabdingbar
  • 2. Paar Handschuhe

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Lawinenausrüstung

Über 90% aller Lawinen sind selbst von den Verunglückten verursacht. Bei hochalpinen Wintertouren brauchen Sie vor allem einen qualifizierten Bergführer, dabei ist auch persönliche Lawinenausrüstung und Training für die gesamte Gruppe erforderlich. LVS-Gerät, Lawinensonde und Schneeschaufel – der richtige Umgang mit diesen drei Geräten kann Leben retten. Kann heißt aber nicht muss: ohne regelmäßige Übung bleibt diese Ausrüstung nutzlos, da man nach dem Lawinenabgang nur wenige Minuten hat, um die verschüttete Person zu finden und zu retten. Erfolgreiche Rettungsaktion ist erst dann möglich, wenn jedes Gruppenmitglied sicherheitstechnisch sowie organisatorisch für Lawinenrettung speziell ausgebildet ist. Machen Sie mit Ihrer Gruppe vor der Tour ein Lawinentraining. Bevor Sie das ungesicherte Gelände betreten, machen Sie Ihr Lawinengerät auf und führen Sie bei jedem Gerät einen Sicherheitscheck durch.

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Unfall außerhalb der Skipiste?

Eine Notsituation im Hochgelände ist im Winter umso gefährlicher, dass man wegen der niedrigen Temperaturen und kürzerer Tagesdauer weniger Zeit für eine Such- und Rettungsaktion hat. Auch die Schneedecke, Wind und Vereisung machen viele Stellen in höheren Lagen unzugänglich. Wenn in Ihrer Gruppe ein Unfall passiert, aktivieren Sie umgehend den Alpinnotruf 112. Rufen Sie die Rettungszentrale an – hier finden Sie die Anweisungen für die richtige Nutzung der Notruflinie. Beachten Sie dabei die „6Ws“:

  1. Wo ist der Unfall passiert? Das müssen Sie wissen – der Rettungsdienst kann Ihren Standort nicht bestimmen. Erst nach Anfrage beim Anbieter lässt sich der Standort mit Genauigkeit von Kilometern kalkulieren und es dauert. Also am besten wie gesagt den Standort immer merken – das können Sie auch mit Ihrem Smartphone.
  2. Was ist geschehen? Beschreiben Sie genau den Unfall.
  3. Wie viele Verletzte?
  4. Welche Art von Verletzungen? Gibt’s lebensdrohende Verletzungen?
  5. Wer meldet den Unfall? Wie kann man zurückrufen?
  6. Wetterlage am Unfallort?

Lassen Sie inzwischen die verletzte Person nicht im Schnee oder am kahlen Fels liegen und frieren – verwenden Sie dann Ihre Rettungsdecke (Silberseite nach innen!) und nutzen Sie vorhandene Kleidungsstücke und Gegenstände – z.B. Skier oder Snowboard, Rucksäcke, – um den Kontakt zum Schnee zu minimieren und so den Wärmeverlust zu vermeiden. Bei starkem Wind schaufeln Sie eine Grube im Schnee für den Verletzten.

Suchen Sie wenn möglich eine passende Landungsfläche für den Rettungshubschrauber. Dann stecken Sie die Skier in den Schnee, ziehen Sie die Sicherheitsweste an und geben Sie Signale mit der Taschenlampe oder einem Spiegel. Bei passender GSM-Verbindung ist es manchmal möglich, in Kontakt mit dem Rettungsdienst per Handy zu bleiben und Anweisungen an die Piloten zu geben. Je besser man den Unfallort beschreiben und auf sich aufmerksam machen kann, desto höhere Chance hat man geborgen zu werden.


Am Ende wollen wir jedoch, dass gar nichts erst passiert und Sie Ihren Wintersport voll auskosten.
Genießen Sie Ihren Winterurlaub bei uns!


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