Ein perfektes Wochenende in Grainau: Übernachtung am Schachen (1.866 m) und Wanderung zur Meilerhütte (2.372 m)

Kategorie: Freizeit
Ein perfektes Wochenende in Grainau: Übernachtung am Schachen (1.866 m) und Wanderung zur Meilerhütte (2.372 m)
Donnerstag, 04 Juli 2019

Das auf 1866 m gelegene Schachenhaus ist eine der bekanntesten und beliebtesten Berghütten in Garmisch-Partenkirchen und auch ein historischer Ort. Die Hütte liegt im Wettersteingebirge unmittelbar neben dem Königshaus am Schachen und dem Alpengarten und kann über mehrere Bergwege erreicht werden.

Heute entscheiden wir uns für die leichteste Variante – den Aufstieg von Elmau (1.008 m). Das Schachenhaus hat von Juni bis Mitte Oktober offen und ist während der ganzen Sommersaison durchgehend gut belegt, deshalb muss man sich am besten seine Übernachtung im Voraus sichern.

Tag 1

13:00 Uhr: Von Garmisch-Partenkirchen fahren wir mit dem Auto Richtung Mittenwald und neben dem Bahnhof Klais – übrigens Bayerns höchtsgelegener Bahnhof! – biegen von der B2 über die Schienen nach rechts ab. Zunächst folgen wir der Mautstraße nach Elmau und parken unser Auto auf dem großen Wanderparkplatz am Ende der Straße. Es lohnt sich auf jeden Fall einen Blick ins Schloß Elmau zu werfen, dessen historische Gebäude und Park sich so beeindruckend am Fuße der Wettersteinkette erheben.

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14:00 Uhr: Nach einem kurzen Spaziergang im Park kommen wir zum Parkplatz zurück und starten unsere Wanderung über die Forststraße, die als Königsweg bekannt ist. Der breite Weg, der für Pferdekutschen und -schlitten gebaut wurde, führt ganz bequem durch den Bergwald und ist teilweise gut verschattet.

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15:30 Uhr: Auf halber Strecke zwischen Schloss Elmau und Schachen liegt auf 1.464 m die Wettersteinalm, die man früher mit der Wettersteinhütte (heute Kaiserschmarrn-Alm) oft verwechselt hat. Die Alm befindet sich in einem waldbewachsenen Kessel, nach oben öffnen sich majestätisch die Berge. Hier finden wir neben dem atemberaubenden Panorama einen vorzüglichen Käsekuchen sowie neugierige Kälber und Schweinchen, die mit Kindern gerne spielen.

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16:15 Uhr: Nach der entspannenden Einkehr starten wir weiter. Die Forststraße macht oberhalb der Alm ein paar steile Kurven, so dass mein 9-jähriges Kind langsam zu jammern anfängt. Allerdings in knapp einer halber Stunde kommt der Weg wieder auf die Ebene und bleibt bis zum Ende unserer Wanderung ganz entspannt. Wir laufen ganz gemütlich und genießen einen herrlichen Blick auf die Alpspitze und den Hochblassen rechts, wobei die Felsen links so schön mit Alpenrosen, Latschenkiefern und unzähligen Blumen bewachsen sind. Auf den Wiesen grasen Kühe und ab und an stehen kleine schöne Hütten am Hang – malerisch! Zum Glück spielt das Wetter mit und wir müssen uns nicht beeilen. Wir machen viele Fotos und genießen auch noch unterwegs eine leichte Brotzeit auf einer Bank mit einzigartigem Panoramablick. Rechts merken wir uns eine Einmündung – den Kälbersteig, der von Partenkirchen zum Schachen führt.

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18:30 Uhr: Schon seit einiger Zeit lässt sich das Schachenhaus in der Entfernung blicken. Wir kommen an der Talstation der Meilerhütte-Versorgungsbahn vorbei und nach einem 10-minutigen Aufstieg haben wir die Hütte erreicht. Das urige 1870 erbaute Holzhaus sieht im Abendlicht besonders gemütlich aus. Wir melden uns an der Theke an und beziehen unsere Schlafplätze auf dem Hüttenlager, das sich im hinteren Haus befindet. Beide Hütten waren einst Wirtschaftsgebäude, die zum Königsschloss gehörten. Neben der Schlafhütte stehen zahlreiche Mountainbikes und zwei Fahrzeuge des Forstamts. Aus Naturschutzgründen verfügt das Schachenhaus über keine Duschen. Auch Stromdosen gibt es für die Gäste keine. Heute schlafen wir im großen Schlaflager im Dachgeschoss.

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19:30 Uhr: Jetzt gibt es das wohlverdiente Abendessen – ganz bayrisch, mit Leberknödelsuppe und Kasspatzn. Auch gutes Bier gibt es hier genug. Nach dem Essen gehe ich noch kurz spazieren, während sich die Mitwanderer mit Kartenspielen beschäftigen. Die Luft draußen wird immer kälter – auf der Höhe von fast 1.900 m sollte der Temperaturunterschied zum Tal so um die 10 Grad liegen, dazu weht ein frischer Wind. Übernacht könnte es bis auf 0 Grad abkühlen. Der Himmel wird dunkelblau und dann samtig violett. Oberhalb der Dreitorspitze leuchtet der Mond und unten im Tal die Straßen von Garmisch-Partenkirchen. 

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22:00 Uhr: Genauso wie auf den anderen Berghütten, herrscht auch hier die Regel: ab 22 Uhr Nachtruhe. Nach dem gelungenen Wandertag gehen allerdings alle Gäste sehr gerne ins Bett. Kurz danach schlafen alle ein.

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Tag 2

6:00 Uhr: Ob man an einem Sonntag so früh aufstehen will, steht heute Morgen erst gar nicht zur Debatte, da alle gleichzeitig aufwachen und ganz laut ihre Rucksäcke wieder packen und quatschen. Dies passt aber perfekt zu unseren Plänen: nach dem Frühstück wollte ich zur Meilerhütte (2372 m) laufen, während mein Kind und meine Freunde gerne das Königshaus und den Alpengarten besichtigen wollen. Das Wetter ist wieder herrlich, draußen ist noch die Nachtfrische zu spüren – und man muss auf jeden Fall von den wertvollen Morgenstunden profitieren.

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7:15 Uhr: Nach dem Frühstück machen wir noch kurz Fotos mit dem Panorama vom sonnigen Loisachtal mit der Alpspitze und dem Hochblassen an der Seite. Dann trennen wir uns und in wenigen Minuten stehe ich schon auf der Gabelung oberhalb des Schachens: links führt der steile Weg zur Meilerhütte hinauf, rechts geht es runter ins Reintal. Den rechten Weg behalte ich für später, nehme also jetzt den linken.

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8:00 Uhr: Die Sonne scheint gnadenlos, ich schwitze und die Bergwelten sind so wie immer unglaublich schön. Nach einem steilen Aufstieg kommt schon wieder der nächste. Dazwischen ist ein kleiner Sattel mit Gipfelkreuz, hier dann kurze Pause, an beiden Seiten ist aber Abgrund… Der Weg zur Meilerhütte ist schmal und schroff, ab und zu geht er auch bergab und dann wieder steil bergauf. Oben in der luftigen Höhe schwebt der Container der Versorgungsbahn an mir vorbei. Was wird heute geliefert? Bestimmt ist auch ein Radler dabei – wird noch abkühlen bis ich komme.

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9:30 Uhr: Nach dem letzten steilen Stück taucht die Meilerhütte, die zweithöchstgelegene Berghütte Deutschlands, endlich vor mir auf. Sie steht ganz knapp am Dreitorspitzgatterl, also unterhalb der Dreitorspitze, an der Landesgrenze zwischen Bayern und Tirol. Es wundert mich immer wieder, wie man hier in der harten Umgebung das massive steinerne Haus errichten konnte. Die Hütte verfügt über 81 Schlafplätze und ist von Elmau, Garmisch-Partenkirchen und Leutasch (Österreich) über verschiedene Wege und Klettersteige zu erreichen. Auch bei Winter kann man hier übernachten – in der Alten Meilerhütte. Ich genieße kurz den Blick ins Loisachtal und gönne mir ein Radler. Dann geht es gleich runter, da mir heute noch ein langer Weg bevorsteht.

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11:30 Uhr: Der Abstieg zum Schachen dauert fast genauso lange wie der Aufstieg. Nach der kurzen Pause geht es weiter – ins Reintal. Nach unseren zuvor ausgemachten Plan, treffe ich meine Freunde und meine Tochter wieder an der Kochelbergalm, wo ich zu Fuß über das Reintal hinkommen soll, wobei sie nach Elmau zurück kommen und das Auto abholen würden. Also losgehen und auf den langen Abstieg vorbereiten.

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12:00 Uhr: Wer oben am Schachen steht und ins Reintal runterschaut, hat nur einen Gedanken: wie unglaublich schön die Alpen sind! Beim steilen 2,5-stündigen Abstieg kommt das prächtig grüne Tal mit der himmelblauen Partnach in der Mitte immer näher.

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14:30 Uhr: Der Abstieg von insgesamt 1.400 Höhenmetern hat leider meinem Knie geschadet. Als ich endlich in der Nähe von der Bockhütte am Talboden lande, tut mir jeder Schritt weh. Verzweifelt setze ich mich ans Ufer und stecke meine strapazierten Füße und Beine bis zum Knie ins eisige blaue Wasser. Die Kälte tut auch weh, belebt dafür wieder den Körper. Jetzt bin ich einigermaßen wieder fit und kann meine Wanderung fortsetzen.

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15:00 Uhr: Ich folge dem Weg Richtung Partnachklamm und an der Gabelung nehme ich die beschilderte Straße nach links zur Partnachalm. Die Straße geht zwar bergauf und macht einige Kurven, die den Weg länger machen, ist dafür aber viel ruhiger als die übliche Strecke über die Partnachklamm. Den weiteren Weg kenne ich aber nicht. Mein Handy hat schon längst einen leeren Akku, so kann ich meine Route nicht mehr prüfen und muss mich auf die Hinweise eines entgegenkommenden Wanderers verlassen. Unterwegs komme ich an der privaten Laubhütte vorbei und an der nächsten Gabelung, die etwas irreführend aussieht, nehme ich den unbeschilderten Weg mit geschlossener Schranke nach rechts – statt nach links bergauf dem Schild „Hausberg“ zu folgen. Ob es der richtige Weg war? Die Waldstraße ist einsam und ruhig, die Vögelchen pfeifen im Grünen. Nach einiger Zeit kommt aber tatsächlich die Partnachalm – eine schöne Hütte mit bayrischen Luftlmalereien und Terrasse mit herrlichem Blick auf das Wettersteingebirge und den Schachen. Unten rauscht bei Tag und Nacht die Partnachklamm. Hier gönne ich mir eine kleine Kaffeepause.

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17:15 Uhr: Die kurze angenehme Strecke von der Partnachalm zur Kochelbergalm wäre eher entspannend, wenn ich nicht so kaputt wäre. Der Weg läuft langsam absteigend durch den Wald und Bergwiesen mit zahlreichen Werdenfelser Heuhütten, die extrem fotogen sind. Der Kochelberg ist ein grüner Hügel in Partenkirchen. Hier am Ufer eines malerischen Teiches liegt die beliebte Kochelbergalm. Meine Freunde und Tochter sind noch nicht da. Jetzt ist meine Wanderung zu Ende – so bestelle ich mir bedenkenlos ein Weißbier und träume auf eine Dusche und mein Bett.

Königshaus am Schachen und Alpengarten

Das Königshaus am Schachen wurde in 1872 im Schweizer Chaletstil erbaut. Hier hat König Ludwig II. mehrmals seinen Geburtstag verbracht. Unterhalb des Hauses liegt der botanische Alpengarten. Der Alpengarten ist eine Außenstelle des Botanischen Gartens München. Hier erwartet den Wanderern eine beeindruckende Sammlung von über 1.000 Gebirgspflanzen aus aller Welt.

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Alternative Wege zum Schachen

Für geübte Wanderer bestehen alternative Wege über den Kälbersteig und das Reintal. Der Ausgangspunkt für beide Wanderungen ist die Partnachklamm. Nach der Klamm erreicht man die Gabelung, ab der man entweder hoch nach links zum Kälbersteig oder nach rechts Richtung Reintal / Zugspitze laufen kann.

Der Kälbersteig ist ganz schön steil (besonders im oberen Drittel extrem steil), an vielen Stellen genießt man einen Bergblick durch den Wald. Die Gehzeit beträgt 4-5 Stunden, ab Klammende 3-3,5 Stunden. Die ganze Strecke ist bewaldet, also gut verschattet. Zum Schluss kommt man auf den Königsweg, etwa eine Stunde von dem Schachenhaus entfernt.

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Der Weg über das Reintal ist dagegen am Anfang ganz entspannt, mit nur ca. 300 Höhenmetern über die 7 km lange Strecke, die wir bereits in unserem Blog beschrieben hatten. Wegen der Streckenlänge und geringem Höhenmeter könnte die Mitnahme von Mountainbikes alternativ empfohlen werden. Mitnahme sperriger Gegenstände ist allerdings in der Partnachklamm nicht erlaubt, deshalb sollte man in dem Fall die oben beschriebene Route über den Kochelberg, die Partnachalm und die Laubhütte benutzen. An der Bockhütte im Reintal kann man das Mountainbike abstellen, bevor man den steilen Steig zum Schachen nimmt (Richtung Oberreintal / Oberreintalhütte). Von der Bockhütte braucht man je nach Kondition ca. 2,5 Stunden bis zum Schachen, vom Klammende ca. 3,5 Stunden.

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Der Aufstieg von Leutasch (Österreich) ist nur für Geübte und erfolgt über die Meilerhütte (2372 m) in ca. 6 Stunden: 4 Stunden bis zur Meilerhütte und nachfolgend der Abstieg zum Schachen (1866 m). Aufgrund ihres hochalpinen Charakters ist die Tour höchst malerisch und eindrucksvoll. Der Startpunkt ist in Leutasch, Ortsteil Reindlau in der Nähe vom Hotel Hubertushof auf 1.083 m. Das Hotel bietet keine öffentlichen Parkplätze.

Tipps:

  • Übernachtung: Frühzeitige Buchung empfohlen, da die Tour sehr beliebt ist.
  • Ausrüstung: Wegen Wetterumschwünge und Temperaturunterschied zwischen Berg und Tal ist warme Bekleidung und Regenschutz unbedingt mitzunehmen.
  • Einkehr Wettersteinalm: Die Alm hat nicht über die ganze Saison offen, daher Öffnungszeiten beachten.
  • Partnachklamm: Preise und Öffnungszeiten beachten. Die Eintrittsgebühr ist zu zahlen, auch wenn man wie ich aus der Gegenrichtung kommt.
  • Mountainbike: Es besteht die Möglichkeit die Mountainbikes an der Bockhütte im Reintal abzustellen und die weitere Strecke zu Fuß zu laufen. Dabei muss man statt die Partnachklamm über die Partnachalm (1050 m) fahren.
  • Unser Blog: Ein perfekter Tag in Grainau: Wanderung zur Bockhütte im Reintal

 


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