Ein perfekter Tag in Grainau: Zur Höllentalangerhütte (1.387 m) über den Stangensteig

Kategorie: Freizeit  // von Polina Peskovsky
Ein perfekter Tag in Grainau: Zur Höllentalangerhütte (1.387 m) über den Stangensteig
Donnerstag, 30 April 2020

In Erinnerung an die unbekümmerte Frühjahrsaison 2019, in der wir vor Corona noch die Freiheit hatten in die Berge zu gehen, möchte ich über eine der schönsten Bergwanderungen in Grainau erzählen. Die Route von Hammersbach durch das Höllental ist vielen Bergsteigern bekannt, die einmal die Zugspitze zu Fuß bestiegen haben.

Der Stangensteig ist auch dann begehbar, wenn die Höllentalklamm noch geschlossen ist. Unsere Wanderung hat im Mai 2019 stattgefunden, wo die Route oberhalb von der Klamm noch teilweise unter Schnee lag. Dazu gehen im Höllental wegen seiner steilen Wände bekanntermaßen oft Lawinen ab, die im Winter die Gehwege zerstören. Aus diesem Grund ist diese Strecke im Frühling, besonders vor der Hüttenöffnung, wenn der Weg immer wieder neu geräumt und eingerichtet wird, nur für geübte und schwindelfreie Wanderer empfohlen. Unsere Sicherheitshinweise für die Wandersaison finden Sie hier.

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10:30 Uhr: Die Wanderung beginnt am großen Wanderparkplatz in Hammersbach, von hier geht es die Straße entlang zur Bushaltestelle „Hammersbach“. An der Kapelle folgt man der Beschilderung zum Höllental. Das Wetter sieht recht wechselhaft aus, ab und zu spürt man Regentropfen auf der Haut, aber bei dem ständigen Aufstieg ist leichter Regen eher erfrischend. Der helle Buchenwald deckt den Weg ab, frisches Laub umrahmt den Talblick auf Garmisch-Partenkirchen.

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11:30 Uhr: Nach einer Stunde erreichen wir die Gabelung zum Stangensteig: nach links geht es zum Klammeingang, die Klamm ist allerdings bis Ende Mai für Touristen unzugänglich, wir gehen also nach rechts. Jetzt wird es erst einmal steil, nach ca. 10 Minuten kommt der Weg aber auf eine enge Platte. Links geht es steil hinab wo der Wasserrausch vom Hammersbach herkommt. Zum Glück sind wir schwindelfrei und zudem gibt es rechts ein Sicherheitsseil, an dem man sich bei Bedarf festhalten kann. An der Felsenwand blühen jetzt im Frühjahr schöne Alpenpflanzen: die hochalpine Primel Alpenaurikel, die geschützte Troddelblume und viele anderen.

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Der Stangensteig hat übrigens neben seinem touristischen Wert eine große historische Bedeutung für die Werdenfelser Region. Hammersbach war schon im 15. Jahrhundert der Ausgangspunkt für den Bergbau. In den 1840’s wurde hier steigend Bleierz und Zinkspat abgebaut und damit entstanden die Knappenhäuser, eine Holzbrücke über die Klamm und auch der Stangensteig, der im Sommer zum Erztransport gedient hat. Auf dieser Höhe ist Lawinengefahr auch bis in den Juli hinein nicht unüblich, deswegen wurden an den gefährlichsten Stellen zwei Tunnel gebohrt, die man noch heute betreten kann (Vorsicht – der Boden ist extrem rutschig, am besten nur mit Stirnlampe hineingehen!).

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Es wurde zudem festgestellt, dass im hochalpinen Erzgebiet am Hammersbach Molybdän enthalten war – ein Metall, das bei Stahlhärtung verwendet wird und in den Zeiten des 1. Weltkriegs zunehmend wertvoller und bedeutender wurde. Und das Bergwerk Höllental war die einzige Fundstelle von Molybdän im ganzen Reichsgebiet! Nachdem das Kriegsministerium in Berlin das Bergwerk ab 1916 mit ungeheurem Aufwand 3 Jahre betrieben hat, konnten allerdings nur 17 t Molybdän gewonnen werden. Die Überreste vom Bergbau findet man immer noch am Klammeingang und die Knappenhäuser sind bekannte geographische Standorte für Wanderer zwischen dem Kreuzeck und Osterfelderkopf.

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11:50 Uhr: Wir erreichen das Ende des Stangensteiges und es geht ganz entspannt weiter durch den schönen Bergwald leicht nach unten oberhalb der Höllentalklamm zur Eisernen Brücke, die einen atemberaubenden Blick in die Klamm bietet. Nach der kurzen Pause an der Brücke geht es dann wieder bergauf, der Weg ist mäßig steil und sehr angenehm. Obwohl die Strecke weiterhin etwas flacher wird und einfach zu begehen ist, gibt es hier auch ein Drahtseil zur Sicherheit - rechts tief unter uns rauscht die Klamm und der Hang ist ziemlich steil.

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12:15 Uhr: Kurz nach Mittag erreichen wir den Punkt, wo man den Talboden überqueren muss. Es geht jetzt weiter zum finalen Aufstieg zur Höllentalangerhütte. Das Tal ist an dieser Stelle bis auf 5 Meter voll mit Lawinenschnee, der zusätzlich wegen warmen Lufttemperaturen noch schwerer und krümeliger geworden ist. Die mächtige Schneemasse hat gefährliche metertiefe Risse entwickelt, die wir überspringen müssen. Beim Springen höre ich den Hammersbach unter dem Schnee drohend rauschen. Gut, dass es vorbei ist!

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Hier steht die Wasserstromanlage der Höllentalangerhütte. Die Hütte wurde 2015 mit modernsten nachhaltigen Technologien vollständig umgebaut. Dabei wurden die beiden bisher im Einsatz gewesenen Dieselaggregate abgeschafft, die pro Saison 15.000 bis 18.000 Liter Kraftstoff benötigten - der Kraftstoff musste dafür mit der Materialseilbahn transportiert werden. Nach dem Umbau stammt die Energie zu 100% von der neuen Wasserstromanlage. Und die alte Höllentalangerhütte mit historischer Einrichtung wurde im Alpinen Museum in München wiederaufgebaut.

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Jetzt geht es wieder nach oben. Da der Winter 2018-19 besonders schneereich war, sind Lawinenschäden hier deutlich sichtbar. Der Ort sieht wie nach einem Tornado aus: zerrissene Bäume und große Felsenstücke versperren den Weg. Langsam kämpfen wir uns durch und nach wenigen Höhenmetern erreichen wir ein Schneefeld, das anscheinend die heutige Schneegrenze markiert.

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Wir haben keine Skier dabei, aber der Schnee ist zum Glück ziemlich fest, so dass wir nicht bei jedem Schritt tief einsinken. An bereits schneefreien Flächen liegen Latschen und kleinere Bäume flach am Boden, der Grund dafür ist rutschender dichter Schnee in den Wintermonaten. So hat der Schnee den hier vorkommenden Gämsen ihre wichtigsten Futterquellen genommen. Damit die armen Tiere den Winter überleben, mussten die Jäger Heu vom Hubschrauber verstreuen. Die Überreste vom Heu sieht man immer wieder auf der Schneeoberfläche.

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12:45 Uhr: Jetzt erreichen wir die geschlossene Höllentalangerhütte (1.387 m ü. NHN). Es sind keine anderen Wanderer in Sicht und wir genießen unsere Brotzeit in voller Ruhe. Plötzlich hören wir das erste leichte Donnergeräusch aus der Ferne. Auf ein Gewitter hoch oben in den Bergen und im Schnee haben wir keine Lust. Dann packmas und schnell ins Tal!

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13:00 Uhr: Wir laufen den Weg zurück, das Wetter hält sich glücklicherweise noch und es bleibt überwiegend trocken. Als wir wieder die Waldgrenze erreichen, merken wir, dass der Wald sehr still geworden ist – es singt kein einziger Vogel mehr! Vielleicht schaffen wir es noch, trocken zum Auto zu kommen… Nur noch ein bisschen, bitte!

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14:30 Uhr: Unten an der Gabelung nehmen wir diesmal den Weg nach links und rasen durch den sogenannten Sagenhaften Wald nach unten zum Parkplatz. Jetzt wird es aber ernst – es donnert schreckhaft direkt neben uns und der Regen strömt auf unsere Köpfe durch das Walddickicht hinab. Wir rennen bergab so schnell wie wir nur können. Nur um Gottes Willen nicht stolpern oder über eine Baumwurzel rutschen!

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15:00 Uhr: Endlich haben wir das Auto erreicht und können uns entspannen. Die Kleidung tropft und macht die Sitze nass. Mein Kumpel fragt ob wir jetzt ein Bier trinken gehen. Was für ein Vorschlag! Brrr. Nein, heute kein Bier. Lieber einen heißen Tee, und am besten drei Tassen! Aber dafür gerne mit Schuss!

Tipps & Infos:

  • Die Höllentalangerhütte auf alpenverein.de
  • Falls Sie eine Übernachtung an der Höllentalangerhütte planen, buchen Sie am besten lange im Voraus.
  • Für weniger geübte Wanderer ist der Weg über die Höllentalklamm zu empfehlen. Bitte beachten Sie die Öffnungszeiten: die Klamm macht erst ab Ende Mai auf. Genauere Informationen findet man hier.
  • Bevor die Wanderung beginnt: Alpen for Dummies - unsere Hinweise zur Sicherheit und Planung im Badersee Blog

 


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