Zwischen Wank und Kramer: Genussvoller Spaziergang durch Garmisch-Partenkirchen

 // von Polina Peskovsky
Zwischen Wank und Kramer: Genussvoller Spaziergang durch Garmisch-Partenkirchen
Freitag, 20 August 2021

Nicht umsonst zählt die oberbayerische Marktgemeinde zu den schönsten alpinen Orten: ein Spaziergang durch Garmisch-Partenkirchen ist jederzeit eine stimmungsvolle und spannende Unternehmung. 

1935 schlossen sich die Marktgemeinden Garmisch und Partenkirchen wegen den kommenden Olympischen Winterspielen zusammen - eine politische Entscheidung, die bei den Einheimischen für keine Begeisterung sorgte. Nach über 80 Jahren empfinden sich die Bewohner der beiden Ortsteile immer noch als Garmischer und Partenkirchener. Neben dem gemeinsamen Bahnhof und Klinikum hat jeder Ortsteil immer noch eigene Stadtanlagen, von Kirchen und Friedhöfe über Museen, Schwimmbäder, Bergbahnen oder Stadien bis zur eigenen Fußgängerzone bzw. Ortszentrum. Es gibt immer noch den Sportclub Garmisch e.V. und Sportclub Partenkirchen e.V. Und wen sollte es wundern, hat jede Gemeinde ihren eigenen Hausberg: der Wank ist vor allem Partenkirchener Hausberg und der Kramer ist der für die Garmischer. Für ein wenig Wettstreit ist auf den Hausbergen ebenfalls gesorgt: Die "Garmischer Berghütte" St. Martin am Grasberg und die "Partenkirchener" Tannenhütte stehen auf gleicher Höhe (ca. 1.000 m), bieten beide einen tollen Blick auf Garmisch-Partenkirchen und zum Wettersteinmassiv, eine tolle Küche, sowie Möglichkeiten für leichte Spaziergänge und unterschiedliche Events.

Spaziergang durch Garmisch-Partenkirchen
Spaziergang durch Garmisch-Partenkirchen: Bauerngarten Polzenkasper / Foto © Markt Garmisch-Partenkirchen - Christian Stadler

Anreise

Wer gut auf den Beinen ist, der kann vom Hotel am Badersee in Grainau zu Fuß nach Garmisch laufen oder radeln: die Entfernung von nur 7 km bietet die Möglichkeit für einen entspannten und aussichtsreichen Spaziergang bzw. Radausflug. Für Fußgänger sind zwei verschiedene Routen möglich: über den Hammersbacher Fußweg oder über den Kramerplateauweg. Natürlich kann man auch mit dem öffentlichen Nahverkehr oder mit dem Auto anreisen. Der Eibsee-Bus endet an der Sebastianskirche und bringt die Besucher damit direkt in die Partenkirchener Fußgängerzone. Hier beginnen wir unseren Spaziergang.

Spaziergang durch Garmisch-Partenkirchen
Historische Ludwigstraße / Foto © Markt Garmisch-Partenkirchen - Marc Hohenleitner

Sonniger Fleck Partenkirchen

In Partenkirchen empfiehlt sich vor allem eine Runde über die Sonnenbergstraße, den Floriansbrunnen und den Brunnhäuslweg zur Wallfahrtskirche St. Anton. Weiter geht es über einen der zahlreichen Höhenwege, die oberhalb von Partenkirchen zur Tannenhütte führen, zu einem Aussichtspunkt (z.B. zum sogenannten "Josefsbichl"). Mit ihren alten Häusern und typischer Architektur lassen Partenkirchener Straßen, die hier am Hang liegen, den Wanderer die urige Atmosphäre in vollen Zügen erleben. Auf dem Rückweg kommt man durch die berühmte historische Ludwigstraße bzw. Partenkirchener Fußgängerzone. Hier kann man nicht nur die traditionelle Architektur genießen, sondern auch in zahlreichen guten Restaurants gemütlich einkehren. 

Spaziergang durch Garmisch-Partenkirchen
An der Tannenhütte / Foto © Polly Peskovsky

Abstecher zur Tannenhütte

Eine tolle Ergänzung zum Besuch nach Partenkirchen ist eine Wanderung zur Tannenhütte am Wank (ehemalige Gamshütte). Für die Wanderung braucht man zusätzlich insgesamt 2 bis 3 Stunden, je nachdem wie schnell man ist. Die Hütte steht auf ca. 1.000 m kurz unterhalb von der Wankbahn Mittelstation und ist von Partenkirchen über mehrere leichte Wege durch den hellen Bergwald mit Kiefern und Nussbäumen bequem erreichbar. Die Gehzeit für die Strecke mit nur ca. 300 hm beträgt je nach Kondition zwischen 40 Minuten und 1 Stunde, unterwegs kann man auf zahlreichen Bänken Pausen machen und den Ausblick zum Zugspitzmassiv in Ruhe genießen. Eine andere Attraktion in der Nähe von der Tannenhütte ist die Hacker-Pschorr-Hängebrücke. Auch das Speiseangebot in der Hütte ist lobenswert. Mittwochs hat sie im Sommer bis 20 Uhr auf, so ist ein Hüttenabend eine tolle Option als Tagesabschluss. Der Ausflug, der über die Südseite des Wank verläuft, gilt bei schönem Wetter praktisch als Sonnenbad und auch die Tannhütte bietet eine große Sonnenterrasse mit herrlichem Blick auf Garmisch-Partenkirchen. 

Spaziergang durch Garmisch-Partenkirchen
Historische Ludwigstraße / Foto © Markt Garmisch-Partenkirchen - Marc Hohenleitner

Von Partenkirchen nach Garmisch

Zurück im Tal angekommen, geht es, an der "Sebastianskirche" und an einem kleinen Park vorbei, durch die Hindenburgstraße. Hier ist die Mädchenschule St.-Irmengard eine Attraktion, die ein altes Klostergebäude bezieht. Die Schule wurde kürzlich aufwendig renoviert. Unter den bekannten Absolventinnen sind die deutschen Biathlon-Stars Laura Dahlmaier und Magdalena Neuner. Neben der Schule überquert man an der Ampel die Hauptstraße und gelangt auf den Kankerweg. Der Kankerbach wurde nach den massiven Schäden vom Pfingsthochwasser 1999 (auf der Hauptstraße stand das Wasser 1 Meter tief!) im Rahmen der Hochwasserschutzmaßnahmen erweitert und neu gestaltet, hier entstand eine moderne und gemütliche Promenade. Wenn man kurze Zeit später vom Kankerweg nach links abbiegt, kommt man über eine Brücke und den Fußweg in die Enzianstraße, die durch das Wohngebiet ins Zentrum von Garmisch führt. Hier überquert man die Partnach, die früher als Stadtgrenze zwischen Partenkirchen und Garmisch diente. Derzeit verläuft die Stadtgrenze über die Bahngleise. 

Spaziergang durch Garmisch-Partenkirchen
Garmischer Fußgängerzone / Foto © Markt Garmisch-Partenkirchen - Martin Gulbe

Durch Garmischer Stadtzentrum

Über die Chamonixstraße (benannt nach der französischen Stadt Chamonix, die alpine Partnerstadt von Garmisch-Partenkirchen) mit ihren Einkaufsmöglichkeiten gelangt man in die Garmischer Fußgängerzone. Hier finden über das Jahr hinweg einige Open Air-Veranstaltungen statt, unter anderem die Weiße Nacht im Sommer und der City-Biathlon Ende Dezember, bei der die gesamte Fußgängerzone in eine Biathlonstrecke verwandelt wird. Ein Abstecher zum Michael-Ende-Kurpark kann mit einem Kaffee im traditionellen Garmischer Café Adlwärth oder in der Konditorei Krönner gut kombiniert werden. Während die zahlreichen Läden in der Fußgängerzone die Touristen anlocken, genießen wir die Architektur und die Atmosphäre. So kommen wir zum alten Mohrenplatz mit seinem Bauerngarten (und im Winter Eisfläche zum Schlittschuhlaufen!) und weiter zur Alten Apotheke, die seit langem ein Wahrzeichen des Garmischer Zentrums ist. Übrigens wurde die große Pfarrkirche St.Martin, die hier am Marienplatz steht, mit den Steinen gebaut, die von der Burgruine Werdenfels geplündert wurden. Wir biegen nach rechts in die Griessstrasse ab und befinden uns ab jetzt im alten Ortskern von Garmisch. Wer Zeit und Lust hat, kann hier einfach durch die Gassen herumlaufen und historische Häuser ansehen. 

Spaziergang durch Garmisch-Partenkirchen
Blick von der St. Martinshütte / Foto © Polly Peskovsky

Unterhalb vom Kramer

Weiter über die Kramerstraße kommt man zu einer schönen Holzbrücke für Fußgänger und gelangt über die Loisach ins alte Garmischer Wohngebiet. Hier liegen alte traditionsreiche Bauten wie die Bayernhalle und das Garmischer Brauhaus, sowie historische Villen wie z.B. die Villa Strauss. Auf der Maximilianshöhe kann man in der Almhütte wunderbar einkehren, das Restaurant steht direkt auf dem Kramerplateauweg. Von hier aus starten viele Wanderungen zum Ammergebirge - vor allem zur Stepbergalm und zum Kramergipfel. Am leichtesten ist die Berggaststätte St.Martin am Grasberg (1.040 m), oder die St. Martinshütte, erreichbar. Je nach Kondition braucht man für den Aufstieg ca. 40 Minuten bis 1 Stunde.

Der richtige Startpunkt für die Tour ist die Bayernhalle in der Brauhausstraße, so ist der Ausflug zur Hütte eine tolle Ergänzung zu einem Spaziergang durch Garmisch. Auch von Grainau kann man den Grasberg gut erreichen. Im Winter empfiehlt sich eine Schlittenfahrt am Grasberg: die Abfahrt von der Hütte ist die älteste und auch die längste Rodelbahn in Garmisch. Während der Sommersaison ist die Hütte Ausgangspunkt für Wanderungen - z.B. zur Eisenkanzel (einfache Tour, ca. 45 Min.) oder zum Königstand (leichte bis mittelschwere Tour, ca. 1,5 Stunden). Die Hütte wurde 1920 als eine der ersten Berghütten in der Umgebung errichtet und hat bis heute ihre alpine Atmosphäre beibehalten. Der Ort, wo die Hütte heute steht, wurde noch vom König Max II. während seinen Jagdausflügen zum Königstand entdeckt, hier ließ der Monarch eine Ruhebank bauen, wo er oftmals seine Pausen machte.

Wer noch Muße und genug Fitness besitzt läuft einfach zu Fuß zurück zum Hotel am Badersee. Alternativ hält der Eibseebus am Marienplatz auf Höhe des Pizza Huts.

Tipps & Infos: 

  • Vom Hotel am Badersee gelangt man zu Fuß über den Kramerplateauweg oder den Hammersbacher Fußweg bequem in die Garmischer Innenstadt.
  • Alternativ können Sie Mountainbikes oder E-Bikes ausleihen, diese in Garmisch-Partenkirchen abstellen und dort spazieren gehen. Die Anreise mit dem Fahrrad geht am einfachsten über den Hammersbacher Fußweg, dann über den Hausberg gelangt man zum Bahnhof. Im Zentrum sind zahlreiche Parkmöglichkeiten für Fahrräder vorhanden. Bitte beachten Sie, dass Radfahren in den Fußgängerzonen von 10 Uhr bis 20 Uhr untersagt ist.
  • Von der Bushaltestelle am Hotel am Badersee fährt der Eibseebus bis in Zentrum von Partenkirchen (Sebastianskirche). 
  • Mehr über Geschichte und Architektur erfahren: Liste der Baudenkmäler in Garmisch-Partenkirchen
  • Schlechtwettertipp: Besuchen Sie gerne das Museum Werdenfels in Partenkirchen sowie das Museum Aschenbrenner in Garmisch.
  • Tannenhütte - offizielle Website
  • Berggasthof St. Martin am Grasberg