Ausflugstipp: Wieskirche, Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland

Kategorie: Freizeit  // von Sonja Wilms
Ausflugstipp: Wieskirche, Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland
Freitag, 12 Juni 2020

Eine der meist besuchten Kirchen Deutschlands ist die Wieskirche mit über einer Millionen Besucher jedes Jahr aus aller Welt. Und das ist kein Wunder, denn die Kirche ist wahrlich ein schmuckes Rokokojuwel in einer herrlichen Landschaft. So ist es auch nicht erstaunlich, dass die Wieskirche seit 1983 auf der Liste der UNESCO Weltkulturerbestätten steht.

Nur etwa eine Stunde Fahrzeit vom Hotel am Badersee entfernt liegt die Wieskirche umgeben von grüner Landschaft in der Nähe der Ortschaft Steingaden im Pfaffenwinkler Land. Die Wieskirche gehört schon zu den kulturellen Must See der Region zusammen mit dem Kloster Ettal und dem Schloss Linderhof, sowie dem Münter-Haus in Murnau und kann auf unterschiedliche Art und Weise in ein Tagesprogramm integriert werden:

Tagesprogramme Vorschläge:

1. Kulturtour Wieskirche: Bedeutende Wallfahrtskirchen der Region

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Vom Hotel am Badersee startet die Tour nach Ettal, wo wir zunächst das Kloster Ettal besuchen. Das 1330 gegründete imposante Benediktinerkloster beeindruckt mit seinem Herzstück, der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt, die im barocken Stil errichtet ist. Das Kloster besitzt zudem eine Destillerie und Brauerei. Es gibt ein Klostergeschäft und in der Nähe des Klosters kann man auf Wunsch noch die Käserei besichtigen.

Weiter geht unsere Fahrt zur Wieskirche, die nun ausgiebig bestaunt wird. Gegenüber der Kirche befinden sich einige Restaurants, falls man mittags einkehren möchte. Von der Wieskirche geht die Kulturtour weiter nach Steingaden. Hier steht die Klosterkirche mit ihren mächtigen, weiß gekalkten Türmen. Auf das Kloster geht die Errichtung der Wieskirche zurück. Historiker betrachten das Welfenmünster in Steingaden als „aufgeschlagenes Buch der Kunstgeschichte“, denn hier vereinen sich mehrere Baustile: Romanik, Gotik, Barock, Rokoko und Moderne. Wenn es die Zeit erlaubt, kann man Steingaden von der Wieskirche auch zu Fuß erreichen. Ein schöner Wanderweg durch das Moor verbindet die beiden Ortschaften. Der Wanderweg startet hinter dem Restaurant gegenüber der Wieskirche.

Unser finaler Stopp ist Hohenpeißenberg. Hier auf dem Hohen Peißenberg steht nicht nur die Wallfahrtskirche aus dem 17. Jahrhundert, sondern auch das weltweit älteste Observatorium, das vom bayerischen Kurfürsten Maximilian Joseph III ins Leben gerufen wurde. Vom Hohen Peißenberg genießt man zudem einen grandiosen Ausblick auf die Alpen, bei guter Sicht sind es 200 km Alpenpanorama!!! Am besten genießt man dieses von der Terrasse des Restaurants auf dem Hohen Peißenberg bei einem Kaffee oder zum Abendessen. Über die Autobahn fahren wir geschwind zurück zum Hotel am Badersee.

2. Wieskirche zu Fuß: Auf dem König-Ludwig-Weg oder dem Brettlweg

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Ein Besuch der Wieskirche lässt sich wunderbar in eine längere oder kürzere Wandertour integrieren. Somit entdeckt man sogleich auch die landschaftliche Schönheit der Region. Der einfachste Rundweg ist der Brettlweg zwischen Wies und Steingaden. Auf 9,6 km verbindet er Natur und Kultur.

Wer die überaus interessante Landschaft des Pfaffenwinkels intensiver entdecken möchte, der kann auf dem König-Ludwig-Fernwanderweg wandern. Hierzu bieten sich zwei Routen an. Die 20 km lange Route von Rottenbuch bis nach Trauchgau führt über die Wieskirche. Die Wieskirche liegt in etwa auf halber Strecke des Weges. Insgesamt benötigt man etwa 5 bis 6 Stunden für den Weg. Oder man nutzt die Route von der Wieskirche über Steingaden bis nach Buchung. Diese Route ist 22 km lang und man benötigt in etwa 6,5 Stunden. Mit dem Bus geht es jeweils wieder zurück zum Startpunkt.

Die Routen lassen sich zudem wunderbar kürzen, z.B. kann man die erste Route an der Wieskirche beenden oder man beginnt bei der Wieskirche und läuft entweder bis Trauchgau oder nur bis Prem. Alle Ortschaften haben Bushaltestellen für den Rückweg. Die Wege sind gut ausgezeichnet mit einem Blauen K mit einer Krone darüber. 

3. Wieskirche mit dem Fahrrad: Wieskirchen Rundtouren

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Auch mit dem Fahrrad lassen sich die Wieskirche und die Umgebung wunderbar erkunden. Dazu haben wir Ihnen verschiedene Routenvorschläge gemacht. Vom Bahnhof Altenau startet die 25,6 km lange und 2 Stunden dauernde Fahrradrundtour zur Wieskirche. Wer nicht mit der Bahn anreist, der kann sein Auto am Parkplatz Dorfweiher Altenau parken. Der Parkplatz ist kostenpflichtig.

Eine 45 km lange Fahrradstrecke führt von Schongau aus über Peiting, Rottenbuch, Wildsteig, Wieskirche auch nach Steingaden. Auch hier kann die Anreise bequem mit der Bahn erfolgen.

Eine weitere Wieskirche-Fahrradrunde mit einer Länge von 42,2 km und einer Dauer von 3,07 Stunden startet ab Oberammergau. Oberammergau ist ebenfalls an das Schienennetz der Bahn angeschlossen. Wer das Kloster Ettal auf dem Weg noch mitnehmen möchte, kann die Fahrradrunde noch verlängern und ab Ettal starten. Hier empfiehlt sich jedoch die Anreise mit dem PKW, denn Ettal hat keinen eigenen Bahnhof.

Die Wieskirche

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Der Bau der Wieskirche geht auf das Kloster Steingaden zurück. Dabei spielte die Figur „Der Gegeißelte Heiland auf der Wies“ die entscheidende Rolle. Denn sie steht für das berühmte Tränenwunder vom 14. Juni 1738. Doch bis zu diesem Tag war die Figur nichts weiter als ein „armseliges künstlerisches Machwerk“ zweier Prämonstratenser, Pater Magnus Straub und Frater Lucas Schwaiger, aus dem Kloster Steingaden, die die Figur aus Teilen alter Figuren aus dem Kloster 1730 anfertigten. Die Figur fristete bis zu seinem Wunder und Platzierung in der Wieskirche ein tatsächlich armseliges Leben. Nur drei Jahre von 1732-1734 wurde sie bei Karfreitagsprozessionen herumgetragen. Da sie jedoch so hässlich war, wurde sie 1735 schon in die Kleiderkammer des Klostertheaters gestellt und dann auf den Dachboden. Nur eine gläubige Frau schien das scheußliche Ansehen der Figur nichts anzuhaben und so nahm sich die Wißbäuerin Maria Lory 1738 der Figur an. Und nur wenige Monate später geschah das Wunder. Als Maria Lory beim Abendgebet am 14. Juni 1738 im Gesicht des Gegeißelten Tropfen entdeckte, welche sie für Tränen hielt, war ein neuer Kult geboren und eine nicht abreißende Wallfahrtsbewegung entstand.

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Foto: www.wieskirche.de

Im Jahr 1740 war die Zahl der Pilger bereits so groß, dass das Kloster sich dazu entschied, eine kleine Kapelle für die Figur des gegeißelten Heilands zu errichten. Der Pilgerzustrom wuchs jedoch weiter an und so wurde bereits drei Jahre später der Auftrag zum Entwurf einer Wallfahrtskirche zum gegeißelten Heiland auf der Wies vom damaligen Abt Hyazinth Gassner an den Stadtbaumeister von Landsberg, Dominikus Zimmermann, erteilt. 1745 wurde mit dem Bau begonnen, 1749 wurde der Chorraum fertig gestellt und der gegeißelte Heiland übertragen. Der Bau wurde weiter fortgesetzt und 1754 wurde das Kirchenschiff vollendet.  Als letztes wurde 1757 die Orgel aufgestellt.

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Schon 1809/10, nur 55 Jahre nach Ihrer Fertigstellung, wäre der Untergang der Wieskirche fast schon besiegelt gewesen, denn infolge der Säkularisation sollte die Kirche versteigert und abgerissen werden. Nur durch jahrzehntelangen hartnäckigen Bemühungen der Gemeinde Fronreiten und ihrer Bauern wurde dies verhindert. Bayern wird es den damaligen Leute bis heute danken, denn wer hätte schon damals gedacht, dass die Wieskirche 1983 auf die Liste der UNESCO Weltkulturerbestätten kommt und damit zu den 8 UNESCO Welterbestätten in Bayern zählen wird.

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Und so zeigt uns die Geschichte einmal mehr, was aus Zufällen geschehen kann. Die damaligen Prämonstratenser und Erschaffer der berühmten Figur hätten wohl nie geglaubt, dass Ihr künstlerisches Werk von einem Schandfleck zu einem Kunstwerk von Weltrang avancierte. Und vielleicht war es die Dankbarkeit des Gegeißelten an Maria Lory, die nicht das Hässliche in ihm sah, sondern das Schöne und so ihr das Wunder offenbarte. Es ist auf jeden Fall einmal mehr eine tolle Geschichte.

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Wer die Kirche heute betritt, wird beeindruckt sein von den künstlerischen Reichtum und schmucken Design im Rokoko-Stil. Ja, Bayerns katholische Kirchen und Klöster haben damals keine Kosten und Mühen gescheut, um wahre Schmuckstücke zu errichten und Besucher damals wie heute aus aller Welt in den Bann zu ziehen. Die damaligen Hauptkünstler waren die Gebrüder Zimmermann, Dominikus und Johann Baptist, die aus dem kleinen Dorf Gaispoint, im Landkreis Weilheim Schongau stammten. Ihr Talent als Stukkator, Marmorierer und Freskomaler brachten Sie aus dem Dorf hinaus in die ganze Welt, von Frankreich bis Polen und Rußland. Sie waren die bayerische Exportschlager des 18. Jahrhunderts.

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Lassen Sie sich also Zeit bei Ihrem Besuch um die künstlerischen Feinheiten der beiden Künstler und anderen Gestalter in stiller Ruhe zu genießen.

Tipps & Infos:

  • Die Wieskirche ist ab Garmisch-Partenkirchen auch bequem mit dem Bus erreichbar. Bus 9606 fährt vom Bahnhof Garmisch-Partenkirchen direkt zur Wieskirche (Dauer: ca. 1 Stunde 20 Minuten. Aufpassen: Bei manchen Fahrten fällt die Wieskirche aus!). Alternativ fahren Sie mit dem Bus 9606 bis Echelsbacher Brücke in Rottenbuch und dann mit dem Bus 9651 weiter bis Wieskirche. (Dauer ca. 1 Stunde 50 Minuten.)
  • Wer mit dem Auto anreist, der findet gebührenpflichtige Parkplätze gegenüber der Wieskirche.
  • Die Wieskirche ist immer sehr gut besucht, daher gibt es einen Öffnungsplan mit Neben- und Hauptbesuchszeiten sowie Schließzeiten. Aktuelle Infos und Öffnungszeiten gibt es hier
  • Einkehrmöglichkeiten gibt es direkt gegenüber der Wieskirche, ansonsten in Steingaden. Der Gasthof Schweiger an der Wies bietet gute Küche und eine beeindruckende Auswahl an Kuchen. Der historische Gasthof ist ebenfalls im Zusammenhang mit Maria Lorys Familie entstanden und einen Besuch wert.
  • Wenn Sie längere Wandertouren planen z.B. die Etappen des König-Ludwig-Weges, erkunden Sie sich zuvor nach den Fahrplänen der Busse, da diese nicht regelmäßig fahren.